Claudio Monteverdis 1610 in Venedig veröffentlichte "Marienvesper" zählt zu den großen geistlichen Kompositionen des frühen Barock. Simon-Pierre Bestion und sein Ensemble La Tempête betonen bei ihrer Darbietung den festlichen, theatralischen Charakter des Werks und betrachten es dabei als eine Art geistliche Oper, die der Jungfrau Maria gewidmet ist. Daraus resultiert eine lebendige halbszenische Aufführung, die bewusst Gefühle ausdrückt und anspricht. Zugleich unternehmen die Musiker*innen eine fantasievolle Reise durch die Klangwelt des Mittelmeerraums. Durch Einbeziehung anonymer mediterraner Gesänge, verschiedener Gesangsstile und ein besonders farbiges Instrumentarium verdeutlichen sie den interkulturellen Austausch, der im frühen 17. Jahrhundert in der Handelsmetropole Venedig gang und gäbe war.